Das Haus der Hexe

  • Das bestätigende Nicken des Hexers galt Melyanna als Antwort genug. Er war überrascht, dass die Frau ihm und Alanis so viel erzählte. Nichts ausließ und auch der Schmerz des Verlustes über ihre Eier sichtbar und spürbar war.

    Es war, wie er erkannte, dass Melyanna an einem Scheideweg stand. Das Leben so zu leben, wie sie es Jahre, Jahrzehnte oder vielleicht Jahrhunderte getan hatte oder sich abwendete und etwas Neues begann.

    Ein leichtes Lächeln von Vladim galt dem Schlangenwesen vor ihnen, dass sich – aus seiner Sicht – vor ihnen sprichwörtlich häutete. Alanis kam nicht umhin zu bemerken, dass zwischen dem Monsterjäger und dem Monster vor ihr eine seltsame Beziehung bestand.

    Der Mann wollte etwas sagen, hielt sich aber dennoch zurück, denn Alanis hatte nun die Bühne, weswegen seine Aufmerksamkeit nun auf der Geweihten lag.

  • Alanis lauschte aufmerksam. Den kleinen Becher mit dem Honigwein hielt sie eine Weile zwischen ihren schmalen Händen, drehte ihn hin und her. Alkohol, das wusste sie, war von jeher eine ihrer Schwächen gewesen und sie musste aufpassen, dass sie sich nicht wieder daran gewöhnte, den Schmerz und das Mitgefühl über das Gehörte mit dem tröstenden Effekt des Weins zu verbinden.


    Gerade der Teil der Erzählung, die sich mit Melyannas Eiern befasst, nahm die Geweihte sichtlich mit. Mehr als einmal schluckte sie schwer beim Gedanken daran, was man der Schlangenhexe angetan hatte. Sie gab sich wenig Mühe, ihre Gefühle zu verbergen, denn sie wußte, dass Vladim sehr gut in der Lage war, sie zu lesen.


    Nachdem Melyanna geendet hatte, schwieg Alanis für eine Weile und sah zwischen der Frau und dem Mann hin und her. Ihr Blick war sanft, vielleicht ein wenig melancholisch, aus Gründen, die sie allerdings für sich behielt.


    "Erst einmal", hob sie schließlich an und seufzte. "Möchte ich sagen, dass ich Deinen Verlust bedauere. Es mag Dir kein Trost sein, aber ich möchte es dennoch nicht unausgesprochen lassen."


    Nun nahm sie doch einen Schluck von dem Met.


    "Lass mich aus meiner Erfahrung sprechen, wenn Du gestattest. Vladim ist sehr gut darin, Weltbilder zum Schwanken zu bringen. Das ist tatsächlich weder gut noch schlecht. Er wirft mich immer wieder auf Fragen zurück, die ich mir bisher nicht gestellt oder erlaubt habe. Fragen, die ich für mich eigentlich schon beantwortet hatte und die nun wieder ins Licht des Tages treten."


    Ein kurzes Zögern, verbunden mit einem Blick in Richtung des Monsterjägers, der die Hoffnung ausdrückte, dass er ihre Worte nicht übel nahm. Dann konzentrierte sie sich wieder auf die anderen Frau.


    "Veränderung schmerzt, weil sie uns zwingt, etwas zurückzulassen. Und weil sie uns verwundbar macht im Angesicht einer Zukunft, die wir nicht kennen und die vielleicht noch viel mehr Schmerz bereit hält als den, mit dem wir umzugehen gelernt haben."


    Die grünen Augen der Geweihten waren voller Mitgefühl.


    "Ich weiß nicht, ob es das ist, was Dich beschäftigt. Dafür kenne ich Dich zu wenig. Aber vielleicht ist es etwas, über das Du nachdenken kannst - und wenn Du es dann für Dich verwirfst, kannst Du aufs Neue beginnen, Dich mit den Gründen für Deinen inneren Tumult zu befassen."

  • Sie bemerkte Vladims Lächeln und egal aus welcher Intension heraus es auf sein Gesicht trat es füllte ihr Herz mit Wärme. Ihre Reaktion darauf jedoch war spärlich da nach ihren offenen Worten nun sämtliche rudimäntere Empfindungen in der Tiefe versanken. Sie spürte noch wie etwas in ihrem Innersten zustach als Alanis über ihre Gemeinsamkeiten mit dem Hexer sprach, tat es aber als nichtig ab. Ihr Gesicht spiegelte nur wenig emotionale Regung auf ihre Worte, dennoch galt ihre Haltung nicht als unfreundlich der Priesterin gegenüber. Ein bestätigendes Schnauben entfuhr ihr dennoch als Alanis von dem Schmerz der Veränderung sprach von dem sie so sehr gekostet hatte. Sie starrte auf den Tisch und ihre Worte wirkten resigniert :" Es gibt keine Steigerung des Schmerzes mehr den mir eine Veränderung beibringen könnte! Veränderung gehört zum Wandel der Zeit und dessen Fazit beschreibt den weiteren Weg... was meinen innerer Tumult betrifft, ob nun positiv oder negativ gewerteter Natur begann er genau Hier!" Ihr Finger tippte auf die Tischplatte. Sie nahm die kleine Statue in die Hand, die Spitze Schnauze des Hundes stach in ihren Finger. "Nicht nur das sich hier die Seite meines Vaters regt und mich etwas überkommt das selbst Velsinamos wegen seiner Art mir gegenüber nicht zu teil wurde, nein auch die Andersartigkeit meiner Mutter findet plötzlich Akzeptanz, verbunden mit der Unscheinbarkeit meiner fehlenden Gefühle, dessen Gaukelei für die anderen Wesen das Leben soviel anstrengend macht. Hier ist es nicht relevant und in diesen 4 Wänden ist das was ich bin plötzlich "egal". Hinzu kommt das scheinbar die eine wie auch die andere Seite der Herren denen ich "gehöre" einen akuten Hader mit der Situation präsentiert, was fast schon ein wenig faszinierend ist..." Es war unmöglich den nun auf Valdim gerichteten Blick zu ergründen, er hätte bösartig wie auch hilfesuchend interpretiert werden können, hierzu fehlten eindeutig die restlichen Emotionen die ihm klar definiert hätten zeigen können was gerade in ihr vorging. "Ich stehe plötzlich unbeabsichtigt vor der Entscheidung einen Weg aus der Emotionslosigkeit zu wünschen der mich dann nackt und völlig hilflos in diese Welt stellen würde, konfrontiert mit allen Grausamkeiten die die Vergangenheit mir beibrachte und die Zukunft noch bringt wenn jene besagten Herren dann auf mich losgehen und das bis über den Tod hinaus, was ich ohne Schutz und Hilfe nicht überstehen werde, oder ich bleibe weiterhin das Monster das ich bin und bin allein in dieser Welt mit mir." Sie nickte leicht bevor sie den Blick von Vladim abwandte um erneut die Statue zu betrachten.

  • Der Blick des Monsterjägers war einerseits mitfühlend, andererseits spiegelte sein Gesicht eine Irritation dar. Vladim zog die Augenbrauen zusammen und wollte etwas sagen. Es dauerte einen Augenblick, bis er den Widerstand überwand und mit einem Seitenblick zu Alanis zu sprechen begann.


    „Ohne dir etwas zu wollen, Melyanna, bist du hierher gekommen - in diese vier Wände.“ Vladim schaute sich dabei kurz um, um seine Worte zu verstärken.


    „Ob du offensichtlich oder unterbewusst Hilfe gesucht hast, ist zweitrangig. Ich habe dich aufgenommen, habe dich nach meinen, mir zur Verfügung stehenden, Mitteln untersucht und dir geholfen. Auch wenn diese Art der Hilfe sehr ungewöhnlich war.“


    Ein weiterer Seitenblick galt der Geweihten, ob diese eine Reaktion zeigte.

    „Wie dem auch sei, so geht es dir - so glaube ich - im Augenblick besser. Egal, was in der Vergangenheit vorgefallen ist, so hast du dich von deinen Ketten - soweit dies ging - befreit. Damit meine ich deine eben angesprochenen Herren, denen du nicht mehr zu Diensten bist.“


    Der Löwenhexer schaute das Schlangenwesen jetzt sehr direkt an.

    „Bis auf den einen Dienst, den du mit Damballa, dem Herr der Schlangen, noch ausstehen hast. Und nun redest du davon, dass dies hier alles umsonst wäre, weil diese neu erweckten Gefühle dich verwundbar machen?“


    Vladim hatte bei den letzten Worte die Stimme erhoben und es war klar, dass er erzürnt oder zumindest stark emotional eingebunden war.

    „Scheiße! Ja! Die Zukunft ist das, was du daraus machst. Das wird dir niemand abnehmen. Ich nicht! Diese vier Wände erst recht nicht! Und wenn du es nicht zulässt, dann wirst du einsam und allein da stehen. Aber das tust du nicht. Ich werde dir versuchen zu helfen, genauso wie Alanis hier.“


    Damit ließ er wieder den Blick zur Priesterin wandern, bevor er wieder auf Melyanna lag.

  • Vladims Seitenblick war Alanis nicht entgangen, aber sie erwiderte ihn gelassen. Ob sie eifersüchtig war, konnte man ihren Augen nicht entnehmen, auch nicht ihrer Körperhaltung. Wohl aber, dass sie ihm wohlwollend gesonnen war und nichts gegen seine Art, die 'Dinge' anzupacken, einzuwenden hatte.


    "Ich verstehe -", hob sie dann sehr leise und klar an. "- dass Du Dir die Emotionslosigkeit wünschst, Melyanna. Du kannst es mir glauben oder auch nicht, aber ich bin sicher dass jedes Lebewesen in seinem Leben ein- oder mehrfach an den Punkt kommt, an dem es sich nichts mehr wünscht als taube Leere, die alles ausmerzt, was einen noch verletzen könnte. Aber auch wenn Du es gerade nicht fühlen kannst - wenn es irgendwo noch so etwas wie Hoffnung gibt, dann wirst Du sie niemals finden oder gar wertschätzen können, wenn Du Dich von Deinen Emotionen endgültig abwendest."


    Ein sanftes Lächeln lag auf ihrem Gesicht.


    "Stillstand ist der Tod des Lebens. Wenn Du das wirklich wünschst, dann würde ich Dich niemals davon abhalten, das zu suchen."


    Ihr Blick wurde ernster.


    "Ich weiß nicht, ob das die Hilfe ist, von der Vladim erwartet, dass ich sie Dir gewähren würde. Wenn das so sein sollte -."


    Ihr Blick wanderte kurz zu dem Monsterjäger.


    "- dann tut es mir Leid, Vladim."


    Erneut sah sie Melyanna an.


    "Aber Du hättest dort draußen einen aussichtslosen Kampf suchen können. Ein scharfes Messer. Eine hohe Klippe. All das hast Du nicht getan, weil Du in diesem Mann etwas erkannt hast, das Du jetzt vielleicht noch nicht benennen kannst. Vielleicht einfach nur die Güte, Dich nicht als ein Monster zu behandeln, weil er sich selbst für eins hält. Vielleicht ist Eure Zusammensein auch nur der Versuch, noch einmal etwas zu fühlen. Sei es, was es ist, das musst Du wissen."

  • Mels Körper streckte sich je mehr Worte sie umgaben, wohingegen Alanis eher Balsam auf die nun aufgebrochene Wunde war die seine Worte in ihr rissen, plötzlich wirkte ihre Haltung majestätisch und unnahbar, an ihrem Inneren schmerzte etwas unergründliches das verletzt war wie ein krankes Tier, etwas das sie sich erst sammeln ließ ob seiner Worte bis sie ihm mit ruhiger aber nun doch deutlich angespannter Tonlage bedrohlich knurrend antworten ließ, er kannte diese Haltung bereits und wusste was dem folgen konnte:" Ja ich kam hierher, um dich wiederzusehen, wie ich es dir bereits sagte! Es waren die Rauhnächte die mich jemanden suchen ließen der wusste mir die Geister vom Hals zu halten in den Tagen in denen ihnen Tür und Tor offen steht! Hilfe zu suchen! liegt mir fern, es war DEIN Angebot dem ich hier nachkam, aus einer Situation geboren mit der ich nicht gerechnet hatte und ich glaube DU noch viel weniger denn DU leidest an dem was du bist genau wie ich! Und mir kann es nicht BESSER gehen wenn es mir zuvor nicht schlecht ging also rede dir nichts ein! Die Ketten die du ansprichst existieren im Diesseits und verlaufen bis ins Jenseits, und ob ich ihnen Dienen will oder nicht am Ende bleibt mir keine andere Wahl wenn sie mich dazu zwingen, es sei denn jemand rüttelt an diesen Ketten und ist bereit sie zu zerreißen." Mit ihren nächsten Worten die wie eher einem fauchen glichen warf sie ihm die Kette und die Statue entgegen..."aber mein Versuch daran zu glauben ist gerade mit deinen Worten erstickt worden." Das einzige was mein altes Denken in den letzten Tagen hat inne halten lassen und einen Keim der Hoffnung auf Freiheit mit der ich bis vor wenigen Tagen keinen Hader hatte, hat wachsen lassen war zu erkennen das ich nicht allein bin und DEIN Entgegenkommen und der Funke der in dir erglommen ist, in die Richtung das WIR vielleicht nicht dafür gemacht sind einsam und allein da zu stehen! Ein WIR ist für eine Zukunft stark ein ICH stirbt allein! Und bevor du hier uns beiden" und sie wies dabei auf Alanis "helfen kannst, solltest du von deinem Hohen Roß heruntersteigen und dir ersteinmal selbst helfen lassen, DASsss habe ICH dir versprochen!" Ihr Atem ging schnell nach dieser Rede nicht nur der Worte wegen.

  • Der Blick, der Vladim seinem Gegenüber zuwarf, war vernichtend. Wut war eindeutig auf dem Gesicht des Monsterjägers zu erkennen. Dann Schmerz. Und zu guter letzt Mitleid. Und es war weicher geworden - verständnisvoll vielleicht. Die nächsten Worte des Hexers waren leise gesprochen und man konnte erkennen, wie er um jedes Wort rang.


    "Glaubst du mir nicht, dass ich selber weiß, was ich bin und wie man mich wahrnimmt? Das ich schon, solange ich lebe, damit hadere? Das dieser Kampf, jeden Tag, jede Stunde aufs Neue ausgefochten werden muss?"


    Vladim seufzte.

    "Ich hatte gehofft du verstehst es. Oder würdest es zumindest verstehen." Sein seltsamer Blick kreuzte sich mit ihrem.

    "Ich habe gehofft, dir die Augen geöffnet zu haben. Es schmerzt mich, diese Worte von dir zu hören."


    Damit senkte er den Blick und starrte mehr auf den Boden als irgendwohin.

  • Sie war nicht im Stande ihrer auflodernden Wut so schnell Rücktritt zu verschaffen, aber ihre Worte hörten sich gemäßigter an:" ich weiss das du haderst, ich tat es bisher nicht, und ich weiss das du allein bist wie auch ich, aber ich kann dir den Weg zur Akzeptanz zeigen und du mir den Weg aus der Einsamkeit die auch deine vernichten wird und weil ICH einer der wenigen auf dieser Welt bin die dich versteht und du jener einzige bisher bist der mich versteht glaube ich dir und verstehe dich! Ja du hast mir die Augen geöffnet und auf den Weg gebracht, so wie ich es gleichermaßen getan dir angetan habe, wir haben verstanden das es bessere Wege gibt, diese können wir aber nur gehen wenn wir uns Rückendeckung geben. DEINE letzte Hürde ist die Angst! Vor dir selbst und der Welt da draussen!" Hätte sie Mitleid empfinden können wäre sie voll davon, ihre Worte trugen aber zumindest etwas wie Sorgen mit sich. "Ich habe nicht vor dich hier zu belagern, dich mit meiner Person tagtäglich zu besetzen, wenn du das nicht willst. Aber ich bin mir nicht sicher ob du das wirklich nicht willst oder ob es dir nicht gefallen würde dich mit gleichem gleich zu tun wenn du von Reisen oder Aufträgen zurückkehrst...und verstanden wirst ohne dich erklären zu müssen. Ich habe dir bereits gestern dazu etwas beschrieben welches Gefühl sich daraus erbringen lässt." Sie sprang plötzlich auf und schlug mit der Faust auf den Tisch, es war deutlich zu spüren das die Wut die erneut in ihr Fahrt gewann ihr selbst galt" Verdammt, ich höre mich an wie ein Idiot der um Aufnahme und Anerkennung bettelt, als hätte ich das all die Jahre gewünscht oder gewollt...das habe und hatte ich nie nötig!" sie fluchte erneut und für einen Augenblick wirkte es so als wolle sie die Flucht ergreifen.

  • Alanis massierte ihre Nasenwurzel und seufzte. Ein Kopfschmerz baute sich hinter ihrer Stirn auf. Nicht, weil sie die aufflammende Diskussion anstrengend fand, sondern weil sie so gut verstand, worum es ging. Sie hob die Hand, in der Hoffnung, weitere Wutausbrüche verhindern zu können, war sich allerdings nicht sicher, ob sie es konnte.


    "Ich glaube es hilft nicht weiter, wenn Ihr beide so miteinander sprecht", warf sie vorsichtig ein. "Es ist sicherlich wahr, dass Personen, die ein ähnliches Schicksal teilen, sich gut einfühlen können. Aber ich bin mir nicht sicher, ob Ihr beide Euch gerade gut tut."


    Sie räusperte sich.


    "Damit meine ich nicht, dass Ihr Euch trennen solltet. Aber ich glaube, Ihr solltet erst einmal klären, was Ihr als Personen voneinander wollt - oder nicht wollt, bevor Ihr es angeht, Euch gegenseitig zu helfen. Versteht Ihr, was ich meine?"


    Die Geweihte sah ruhig von Melyanna zu Vladim.

  • Auch Vladim war der Diskussion überdrüssig, sei es aus dem Grund, dass sie ständig in Streit endeten oder ob er es einfach über hatte, sich immer wieder darzulegen. Man konnte ihm nach Alanis Worten förmlich die Erschöpfung ansehen, die das ewige im Kreis drehen mit ihm anstellte.


    „Ich verstehe, was du meinst, Alanis und ich glaube auch, dass diese Diskussion nirgendwo hinführt. Weder werde ich Melyanna helfen können, noch sie mir.“


    Der Monsterjäger sah die Schlangenfrau an, ein müdes Lächeln legte sich auf sein Gesicht. Verständnis um die Situation - ihrer beider Situationen.


    „Wir tun uns gerade nicht beide gut. Kurzfristig ja, können wir beide zusammen sein, aber auf lange Frist wird es auf die eine oder andere Möglichkeit enden.“

    Müde rieb er sich mit seiner Rechten über das Gesicht.


    „Ich glaube es wäre für das Erste besser, wenn wir uns trennen und jeder seiner Wege geht. Über das Gesagte und Getane nachdenkt. Du hast mich einmal gefunden, du wirst es wieder schaffen. Ebenso, wie ich dich finden werde, wenn es die rechte Zeit ist. Was meinst du?“ Damit sah er Melyanna weiter an, sein Gesicht zeigte weder Ablehnung, noch übertriebene Zuneigung.

  • Auf Mels Gesicht machte sich Fassungslosigkeit breit und dieses Gefühl ließ sie erkennend aufschnauben, ihre Worte waren knapp und man hörte deutlich heraus wie sehr er sie verletzt hatte, dennoch blieb ihre Stimme ruhig und ihre Haltung erhaben auch wenn ihr Inneres gerade erneut zerbrach wie so viele male zuvor: "und genau das meinte ich damit, dass diese Konstellation mit ihr" *ihr Kopf nickte in Alanis Richtung* "dir höchstens entgegen kommt als eine Verstärkung in der Vertuschung deiner eigenen Akzeptanz dir selbst gegenüber und um dich dieser nicht stellen zu müssen und entschuldige meine Worte nun bitte nicht mit Eifersucht denn diese Eigenschaft war die erste die Velsinamos aus mir heraus riss, als ich noch zu fühlen in der Lage war. DU erhebst die Stimme gegen mich und stellst mich in ein Licht dessen Schatten nicht der meine ist, nur um nicht das zu wagen vor dem du Angst hast und es dir nun leicht zu machen! Ich sage es nochmals ich kam nicht mit dieser Intuition hierher! Aber ich war bereit es zu versuchen. Du bist weder bereit Zeit zu investieren, die wir gebraucht hätten um zu sehen was geschieht, noch Vertrauen zu schenken um das ich dich gestern! erst noch bat. Du sagtest das ich es bereuen würde wenn sich diese Tür zwischen uns schließt, dass Einzige das ich bereuen werde ist diese Tür geöffnet zu haben, dir vertraut zu haben, mit deinem Versprechen mich nicht zu verletzten wenn ich das zu lasse was du mir als "Hilfe" dargeboten hast. Du bist ein verdammter Feigling Vladim und DU wirst es für immer bereuen dich vor uns hinter dem Deckmantel einer anderen Frau versteckt zu haben!" Während ihrer letzten Sätze hatte sie ihre verstreuten Habseligkeiten in ihrer Tasche verstaut, Mantel und Schwert gegriffen und war zur Tür gegangen. Ihre Haltung und Miene schien nun wie erfroren "Ich danke dir für die Gastfreundschaft, Hexer!" Er konnte in ihren Augen erkennen wie tief er mit den Dingen die er ihr in den letzten Tagen gegeben hatte, in ihre Seele gegriffen hatte. Sie nickte Alanis knapp zu "Alanis" Dann verließ sie das Haus des Hexers.

  • Alanis Mund öffnete sich und schloss sich wieder mit einem hörbaren Klacken ihrer Zähne. Als die Tür aufschwang und die eisige Kälte in den Raum schoss, blinzelte sie, als sei sie von einer unsichtbaren Keule getroffen worden. Kaum war Melyanna über die Schwelle, war auch die Geweihte auf den Füßen. Sie war sich ziemlich sicher, dass es da eine Komponente in dieser Unterhaltung gegeben hatte, die sie übersehen hatte. Eifersucht? Deckmantel?


    "Melyanna", rief sie der Frau hinterher und beeilte sich aufzuschließen, was gar nicht so einfach war, da Alanis recht kurze Beine und ein nicht kleines Maß an Winterspeck besaß. "Du musst nicht gehen, wenn ich in irgendeiner Art und Weise ein Hindernis darstelle. Ein Wort und ich bin weg."


    Sie klang ernsthaft und aufrichtig, aber auch verwirrt.

  • Sie war vor der Türe gerade im Begriff sich den Mantel überzuziehen, Ihr ganzer Leib zitterte, das noch vorhandene Adrenalin tat noch seine Dienste aber bereits das Zuknöpfen des Mantels verlor an jeglicher filigraner Optik. Sie sah die Geweihte ohne Hader an, es wirkte fast eher als sähe sie in ihr jemanden der sie besser verstand als der Mann der nun allein im Haus war. Ihre Stimme wirkte nun angestrengter durch die Kälte: " Das ist nicht meine Aufgabe, Alanis, für mich stehst du nicht im Weg sondern könntest der Weg sein, aber er nutzt dich anders und ich glaube nicht das die Sache noch einen Wert hat für ihn!" Sie schüttelte unmerklich den Kopf. Als sie versuchte sich den Schwertgurt umzulegen versagten bereits ihre Finger und mit einem genervten "Scheiße" hängte sie ihn sich über die Schulter.

  • Wenn er ihre Worte hörte, dann sah es nicht danach aus. Er schaute sie an, aber auch irgendwie durch sie durch. Alles, was sie sagte drang in ihn ein - und auch nicht. Ein Teil prallte ungehört ab, als seine Aufmerksamkeit kleinen Details galt. Dreck in den Spalten der Bodendielen. Eine Spinne, die aufgescheucht durch einen Luftzug von einem der Stühle in eine Ecke flüchtete. Das Raspeln der Holzwürmer im Tisch. All dies nahm er wahr - Melyannas Worte nicht. Sie verhallten und nichts von ihnen drang wirklich in ihn ein.


    Alanis sprang auf und eilte der Frau nach. Kälte kam von draußen rein, die Worte, die sie Beide sprachen, verstand der Hexer nicht. Nichts davon drang in ihn. Er war auf einmal soweit entrückt, wie man es nur sein konnte. Ohne Meditation hatte er eine Entrücktheit erreicht, die selten so schnell zu erreichen war.

    War es sein Verdienst? Wohl kaum. Warum hörte er, aber verstand nichts davon, was gesagt wurde. Er saß immer noch da, als die Winterkälte sich in der Stube ausbreitete. Er war zur Statue geworden, unmöglich war es, nur einen Muskel zu bewegen. Wie eingefroren fühlte er sich. Versteinert durch eine Medusa, die tief bis in sein Herz geblickt hatte und ihn verflucht hatte. Ach, hätte sie ihn verflucht. Er, Vladim, der Mann der Tat - unfähig etwas zu denken, zu tun, zu hören.

  • "Hm", machte Alanis und rieb sich die sich in der Kälte rötende Nase. "Du denkst, dass er sich hinter mir versteckt? Mich vorschickt, damit er sich nicht mit sich selbst beschäftigen muss, während er gleichzeitig sein Ziel verfolgt, Dir zu helfen? Möglich."


    Die Geweihte hob die Schultern und wirkte ein wenig hilflos.


    "Oder vermutlich - sehr wahrscheinlich. Er benutzt Menschen gerne, weil sie viel zu leicht auf ihn hereinfallen. Entweder sie haben Angst vor ihm oder sie fühlen sich angezogen, weil sie es exotisch oder herausfordernd mögen. Beides sind Verhaltensweisen, die einen berechenbar machen. Einsetzbar."


    Ein schiefes Lächeln legte sich auf ihre Lippen.


    "Vielleicht kann er nicht anders, weil er so erschaffen wurde und instinktiv Kämpfe scheut, die er nicht gewinnen kann. Das soll nicht heißen, dass es verzeihbar ist. Das musst Du wissen."

  • Sie stimmte ihr nickend zu" Ja ich glaube das er es so versucht, vermutlich um sich nicht selbst zu verlieren, er begreift aber nicht das er mir nicht zwingend helfen muss und das es einfacher wäre wenn er weniger denken würde...so wie ich es auch tun sollte. Er sollte den Moment leben ohne Ansprüche an sich selbst. Wir sind uns verdammt ähnlich, ich habe noch nie jemanden kennengelernt der meinem Wesen so nahe kam und der mich so bedingungslos akzeptierte und deshalb empfinde ich ihn weder exotisch noch herausfordernd denn es ist für mich nichts neues, mich wärmt und sichert sein Verständnis und Akzeptanz, was mich allerdings seine jetzige Reaktion nicht verstehen lässt und vor allem wie einfach er es sich macht mich los zu werden. Aber ich bin nicht die Frau die seinen Wünschen im Wege stehen wird...ganz sicher nicht." Ihre Lippen färben sich bläulich und das zittern fand sich nicht mehr nur in ihrer Stimme wieder.

  • Alanis presste die Lippen zusammen, aber die Art und Weise, wie sie die Schultern hob, hätte man beinahe komisch nennen können.


    "Ich glaube Vladim steht sich fast immer selbst im Weg. Und beißt zu große Brocken ab, die er nicht verdauen kann. Wenn er dann begreift, dass er sich verhoben hat, dass er scheitern könnte in seinem Willen, das Richtige zu tun, dann stößt er einen lieber weg als sein Scheitern offen einzugestehen. Scheitern ist das Eingeständnis, versagt zu haben. Und ein Monsterjäger, der versagt - nun ja, ist meistens tot. Ich könnte mir vorstellen, dass sie ihm das so eingetrichtert haben, als sie ihn gemacht haben."


    Die Geweihte seufzte.


    "Sei es, wie es ist. Du musst ins Warme. Ich kann Dich mit zu mir ins Hospital nehmen, wenn Du möchtest. Aber man wird Dich anstarren oder sogar Angst vor Dir haben. Angenehm wird das nicht."

  • Beitrag von Melyanna Irima ()

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  • Ein gespieltes Grinsen lag auf ihren Lippen :" warum? Sehe ich etwa sooo gefährlich aus?" Sie versuchte ihre Glieder zu bewegen die nun deutlich an Beweglichkeit verloren hatten, die Adern schimmerten bläulich unter ihrer Haut. " Ich hoffe es ist nicht weit? Vielleicht kommt er ja noch zur Besinnung" ihr Kopf drehte sich mühsam zur noch offen stehenden Tür bevor sie Alanis eine sonst vermutlich galant wirkende Geste

    , dass sie ihr folgen würde, mit steifen Gliedern präsentierte.

  • Alanis wiegte den Kopf hin und her.


    "Für mich - nein, siehst Du nicht gefährlich aus. Aber man kann nicht behaupten, dass sie Bauern hier in der Gegend im Leben mehr gesehen haben als ihre Scholle und hin und wieder mal einen betrunkenen Ritter."


    Letzteres war mit einem schwachen Grinsen begleitet.


    "Was Vladim angeht, kannst Du ja über Nacht darüber nachdenken, ob Du möchtest, dass er zur Besinnung kommt. Und vor allem - wie?"


    Die Frage war freundlich gestellt, eher eine Anregung zum Nachdenken als alles andere.


    "Aber das sind alles Fragen, die sich verschieben lassen, bis Du wieder warm bist. Ich gehe jetzt meinen Mantel holen und dann können wir los."


    Sie nickte Melyanna zu und kehrte zum Hauseingang zurück. Die Bodendielen knarzten leise unter ihren Füßen, als sie eintrat und sich dem Haken zuwandte, an dem ihr Winterkleidung hing. Erst auf den zweiten Blick, gerade, als sie sich ihren Schal um den Hals wand, bemerkte sie Vladims starre Haltung und seufzte leise.


    Noch mehr Dinge, die man nicht gebrauchen konnte. Mit festem Schritt ging sie auf den Monsterjäger zu und betrachtete ihn einen Moment, um sicher zu gehen, dass er sich wirklich in dem Zustand befand, den sie schon kannte. Dann machte sie sich daran, sämtliche Waffen aus seinem Umkreis zu entfernen, zögerte noch einmal und haute ihm dann ziemlich kräftig eine runter.